Die Verlage gewinnen Leser und Abonnenten mit Hilfe ihrer Websites und Apps hinzu, während die quartalsweise gemessenen Printverkäufe der Presse weiterhin rückläufig sind. Parallel vollzieht sich via ePaper aber auch ein Trend zur Digitalisierung innerhalb der IVW-Quartalsauflagen. Das ePaper ist – wie die Website und die App – ein digitales Produkt. Allerdings eines mit festen Schlussterminen und begrenztem Platz, das im traditionellen Journalismus wurzelt. Vor allem für Medienmarken mit überwiegend männlicher oder besonders junger Leserschaft hat das ePaper mittlerweile hohe Bedeutung gewonnen. In der Spitze – bei Zeit Campus – beläuft sich sein Anteil am Gesamtverkauf auf zwei Drittel. Bei Klassikern wie Spiegel und Bild am Sonntag hat es die 50-Prozent-Marke überschritten.
Für die Programmpresse allerdings, das auflagenstärkste Zeitschriftensegment, spielt das ePaper nur eine untergeordnete Rolle. Das Ranking der meistverkauften Titel wird von TV 14 mit rund 1,17 Millionen Exemplaren angeführt, und unter den Top 10 platzieren sich sechs weitere Programmzeitschriften (Tabelle unten). In den meisten Fällen bildet der Einzelverkauf die wichtigste Sparte. Bei zwei der führenden Titel – bei Hörzu und TV digital – liegt das Abo vorn, und hier wird auch ein kleiner Teil digital ausgeliefert.
Landlust, Spiegel und Bild am Sonntag brechen in die Phalanx der führenden TV-Titel ein. Während Spiegel und BamS wie die meisten Titel gegen Vorjahr Auflage einbüßen, gewinnt Landlust gut acht Prozent hinzu. Bei dem zweimonatlich erscheinenden Titel trägt anscheinend ein statistischer Sondereffekt dazu bei. Jedenfalls ist die Zahl der Remittenden im Vergleich zum Vorjahr auffällig niedrig, und der Einzelverkauf bei wenig veränderter EV-Lieferung deutlich erhöht. Im Mittelfeld der Top 30 ragt Brigitte mit einem Wachstum der Verkaufsauflage um 12,9 Prozent heraus. Entscheidend ist in diesem Fall eine kräftige Ausweitung des abonnierten ePapers.

Beim Verkauf des ePapers führen Spiegel und Bild am Sonntag das Ranking an (Tabelle unten). Bei beiden Titeln machen digitale Replica gut die Hälfte des Gesamtverkaufs aus, doch die Spartenverteilung ist unterschiedlich: Der Spiegel verkauft das ePaper vorwiegend im Abo, Bild am Sonntag hingegen vorwiegend in “anderen Sparten”. Dahinter verbirgt sich neben einem kleinen Posten von 1.630 Bordexemplaren der sonstige Verkauf. Auto Motor und Sport sowie C´t Magazin setzen das ePaper ebenfalls in erster Linie im sonstigen Verkauf ein. Auto Motor und Sport nutzt es mehr als andere Titel aber auch im Einzelverkauf. Focus ist der fünfte Titel mit einer sechsstelligen ePaper-Auflage. Wie beim Hamburger Konkurrenten Spiegel überwiegt das Abo. Der Anteil des ePapers am Gesamtverkauf fällt mit 46 Prozent etwas niedriger aus.
Hohen Stellenwert hat das ePaper für viele Wirtschafts- und Finanztitel. Bei Focus-Money steht es für 61 Prozent des Gesamtverkaufs, bei Capital und Wirtschaftswoche für jeweils 59 Prozent. Zurückhaltender ist das Manager Magazin mit einem Anteil von 34 Prozent.
Die oben schon erwähnte Brigitte ist zwar die einzige Frauenzeitschrift unter den Top 10 des Rankings. Strukturell ist aber die ebenfalls 14-täglich erscheinende Freundin ähnlich aufgestellt. In beiden Fällen macht das ePaper gut ein Viertel des Gesamtverkaufs aus und wird vor allem im Abo eingesetzt.
